Dienstag, 7. April 2015


HOHE STAATSSCHULDEN SIND GUT FÜR DIE BÖRSE
 


Manchmal habe ich das Gefühl, gewisse Aussagen von dir kommen einfach so daher, um eine gegenteilige Meinung der anderen Investoren zu vertreten, danach belehrst du mich zwar jeweils eines besseren, aber pauschalisierst du jetzt nicht etwas John? 
 
Wenn sich die Anleger in etwas einig sind, dann ist es die Tatsache, das die Länder zu hohe Schulden haben, du kannst es überall lesen, Ökonomen, Wirtschaftsprofessoren und Politiker warnen vor den hohen Schulden. Du bestehst ja darauf alles so einfach wie möglich auszudrücken, damit es auch für einen "Finanzlaien" oder wie du es nennst, Herrn und Frau "Jedermann" verständlich "rüberkommt", ich gebe mir Mühe dich zu verstehen aber dass verstehe ich jetzt nicht. 

Warum sollen hohe Schulden gut für die Börse sein?
 
Selbst du kannst doch nicht abstreiten, dass wir in einer Finanzkrise, respektive Schuldenkrise stecken. Ab einer gewissen Höhe ist es schlichtweg nicht mehr möglich, der hohen Schuldenlast Herr zu werden, gewissen Staaten droht sprichwörtlich der Finanzkollaps. Durch mein Studium verstehe ich schon ein wenig von der Wirtschaft, mir wurde gelehrt, der Schuldendienst, sprich die Zinszahlungen dürfen den Staat nicht überfordern.

Im Jahr 2014 betrug die offizielle/explizite Staatsverschuldung der USA rund +/- 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die unsichtbaren/impliziten (Sozialkassen und Gesundheitskosten usw.) sind exorbitant höher. Nicht viel besser sieht es in der Eurozone aus. Beispiel: Griechenland, Spanien, Frankreich. Aber auch Japan mit einer Staatsverschuldung von über 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts muss erwähnt werden.
 
Es gibt produktive und unproduktive Schulden, momentan werden immense unproduktive Schulden generiert, ein ausgeglichener Staatshaushalt ist deswegen nicht mehr gewährleistet. Ich sehe ein riesiges ökonomisches Problem auf uns zukommen, ein Joch für zukünftige Generationen, denn an ein runterfahren oder gar zurückzahlen der immensen Schulden ist gar nicht zu denken.

Jetzt sagst du, hohe Staatsschulden seien gut für die Börse, also John konkret: "Wieso sollten hohe Staatschulden gut für die Börse sein, was weisst du mehr oder wie du es sagst, "anders" als der Rest der Investoren?"
 
 
Das Grande der Anleger (und auch du mein studierter Freund) haben keine Ahnung von der Börse

Schulden zurückzahlen, so ein Blödsinn, ein Staat ohne Schulden ist wie ein Segelboot ohne Wind. Schulden sind kein Joch für die nachfolgenden Generationen, sondern ein Segen, sie wachsen in eine innovative Welt hinein. Dieses ganze Untergangs Gejammer ist von Grund auf falsch, dahinter steckt ein riesen Denkfehler.
 
Die Apokalyptiker schnattern einander nach, sie lullen sich gegenseitig ein, sie informieren sich in den Medien, sie erzählen sich untereinander die Märchen, welche ihnen erzählt werden, dabei vergessen sie, sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

Bevor ich aber richtig loslege, erlaube mir noch einmal zur wiederholen und anzufügen:
 

Regel Nummer 1, sondere dich von den Anlegermeinungen ab

Regel Nummer 2, siehe und behandle die Börse als Diva

Regel Nummer 3, hohe Staatsschulden sind gut für die Börse
 
 
Von klein auf wird einem beigebracht, dass Schulden schlecht sind, ja sie werden geradezu als unchristlich oder zumindest als unmoralisch betrachtet, nicht nur im Koran wird es verboten, Zinsen für Schulden zu verlangen, nein auch im alten Christentum wurde es unter Sünde gestellt, für ein Darlehen Zinsen zu nehmen. Selbst Jesus stiess die Tische der Geldwechsler um, bevor er die Händler aus dem Tempel jagte. Zu Recht die hatten dort nichts zu suchen, diese Hallodris, ob sie dort auch schon Anzug und Krawatten trugen?

Dieses Thema allgemein verständlich zu erklären wird gar nicht so leicht, dennoch versuche ich es. Generell gilt, sich vom Mythos, Schulden seien schlecht, zu verabschieden. Schulden sind ein Werkzeug, wer damit umzugehen versteht, kann grossartige Leistungen durch sie vollbringen. Wer keine Ahnung vom Umgang mit diesem Werkzeug (Schulden) hat, muss die Hände davon lassen.

Nicht der Hammer war schlecht, wenn das Bild krumm hängt. (John Doe)

Wer ein Vermögen von 5 Millionen besitzt und über ein Einkommen von 250`000 verfügt, der kann sich ein Haus für eine Million kaufen und eine Hypothek für 700`000 aufnehmen. In einem tiefen Zinsumfeld und steuertechnisch gesehen käme es im teurer, wenn er keine Schulden machen würde.

Wer ein Vermögen von 500`000 besitzt und über ein Einkommen von 25`000 verfügt, der sollte dann schon zweimal rechnen, wenn er sich ein Haus für eine Million kaufen will.

Der Privatmann, der kleine Unternehmer, der CEO eines Milliardenunternehmens aber auch der Staat, muss wissen, ob die Schulden sinnvoll sind, welche er aufnimmt. Jeder unter den Genannten, hat selbstverständlich andere Kriterien und Voraussetzungen. Soweit so klar!

Ich habe mir im Jahr 2008, wegen den stark gefallenen Aktienkursen, die Mühe gemacht eine wirtschaftliche Gesamtbilanz der USA zu erstellen, dazu dienten mir die Quellen Standard & Poors and Federal Reserve Flow of Funds Acconts and Fisher Investments.

Die USA verfügte dannzumal über ein Vermögen von zirka 120`000 Milliarden, dazu zählten: Cash und Cash- Aquivalente, Aktien, private Unternehmen, festes Einkommen, alle Immobilien und gesamtes Geldvermögen.

Auf der Habenseite also zirka 120`000`000`000`000 USD

Auf der Sollseite standen: Hauskredite, Kreditkartenschulden, Autokredite, Schulden privater Unternehmer, Non-financial corporate dept, Schulden im Finanzsektor, Spar und Girokonten, Schulden des Bundeshaushalts, Schulden der Bundestaaten und der Gemeinden, dies ergab:

Auf der Sollseite zirka 52`000 Milliarden in Zahlen 52`000`000`000`000 USD

Ergab einen Nettowert von zirka 68`000 Milliarden USD

Das Bruttoinlandprodukt der USA (BIP) betrug im Jahr 2008 zirka 14`720 Milliarden USD

Nach dieser Bilanz machte ich mir keine Sorgen mehr um meine Aktienwerte, ich war davon überzeugt, die USA wird auch die sogenannte Subprimekrise von 2008 meistern. Ich hatte mir also meine eigenen Gedanken gemacht und mich keinen Pfifferling um die Finanzmedien und deren Lakaien gekümmert.

Meine zweite Überlegung zum Thema Staatschulden hat mit der Geldentstehung, an und für sich, zu tun. Wir haben HIER das Thema schon mal kurz angesprochen. Wenn eine Bank Geld verleiht dann produziert sie Geld aus der Luft, alles Geld ist im Grund genommen Schuldgeld, du als Wirtschaftsstudent weisst das besser als ich und die Leser, welche sich mit dem Thema nicht so gut auskennen müssen das einfach als gegeben hinnehmen oder selbst recherchieren.

Jede Kreditvergabe trägt einen Multiplikatoreffekt in sich, durch den gesprochenen Kredit wächst die Geldmenge, das ist Fakt. Natürlich wechselt das Geld ständig seinen Besitzer, in der Wirtschaftslehre nennt man dies die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Es ist fraglos, dass Kredite gesprochen werden, welche sinnlos, unproduktiv und idiotisch ausgegeben werden.

Der Privatmann, der kleine Unternehmer, der CEO eines Milliardenunternehmens aber auch der Staat, welche einen Kredit aufnehmen, können dieses Geld lukrativ und gewinnbringend einsetzen oder stumpfsinnig verbraten, das liegt ganz an ihnen und ihrem wirtschaftlichen Können. Natürlich ist es für die Wirtschaft ergiebiger, wenn der Kreditnehmer sein Geld gewinnbringend investiert.

Doch gleichgültig wie gut oder eben schlecht der Kredit am Anfang eingesetzt wurde, das Geld, der Kredit oder die Schuld, nenne es wie du willst, belebt die Wirtschaft, dass Geld zirkuliert, es wandert von einem zum anderen, es wird immer wieder ausgegeben, transferiert und investiert, was zu mehr Wohlstand, wachsender Wirtschaft und höheren Aktienkursen beiträgt.

Ein kurzes Beispiel.

Hansi Strohdumm geht auf die Bank um einen Kredit für seine Traumferien aufzunehmen, er will dieses Erlebnis mit einer Camcorder von Sonny festhalten, mit einem neuem Tablet-PC von Samsung will er seine Erlebnisse auf Facebook mit seinen tausenden von Freunden teilen.

Er geht also auf die Bank und nimmt 15`000 CHF Kredit auf, schliesslich lebt man im hier und jetzt und das auch nur einmal. Wir gehen davon aus, das der Lohn von Strohdumm ausreicht um diesen Kredit zu erhalten.

Nun fängt das Spiel an!

Die Bank verdient am Zins, das Reisebüro verdient, Sonny, Samsung und Facebook verdienen, ihre Aktien steigen weil sie höheren Gewinn machen. Die Angestellten der Unternehmen erhalten, dank des höheren Gewinns, mehr Lohn, mit diesem kaufen sie sich vielleicht eine neue Jeans, einen neuen Fernseher, ein neues Auto oder sie kaufen sich Aktien. Wiederum verdient der Jeansverkäufer, der Elektronikhändler, der Autoverkäufer und der Broker usw, usw, usw...

Genauso verhält es sich aber auch mit Staatsschulden, gleichgültig wie sinnvoll der Staat seine Schulden einsetzt, für die Börsen und die Wirtschaft sind hohe Schulden um ein vielfaches besser als wenn der Staat zu sparen beginnen würde, denn nichts schadet der Wirtschaft und den Börsen mehr als ein sparsamer Staat.

Ich bin mir bewusst, dass ich ziemlich alleine mit dieser Meinung dastehe. Nicht wenige Leser werden sich wohl von meinen Ansichten abwenden, selbst, wenn ich meine Aussagen mit Grafiken untermauern und ganz klar beweisen werde.

Den "Informierten" Lesern wird das selbstständige Denken und recherchieren durch die Medien abgenommen, im Internetzeitalter lässt man Denken, man lässt Schreiben und man lässt recherchieren, man konsumiert Meinungen und Ansichten. Je öfter und je mannigfaltiger diese in der Medienwelt angepriesen werden, desto glaubwürdiger werden sie.

Mit unlösbaren Krisen und uns alle in den Abgrund ziehenden Staatschulden lassen sich mehr Leser gewinnen, als mit Aussagen wie:

Hohe Staatschulden sind gut, sie können gar nicht hoch genug sein, eine Krise ist eine Gelegenheit Erfahrungen zu sammeln, diese Erfahrung bringt der Menschheit mehr Wohlstand und Freude.


Nun der bildliche Beweis!



Von 1940 bis 1960 legte der Dow Jones in diesen 20 Jahren um zirka 250% zu. Bei hoher, übrigens höherer Staatsverschuldung als in der Gegenwart.



Von 1965 bis 1983 stagnierte der Dow Jones, bei plus / minus 10%. Sehr schlechte 18 Jahre für die Börse, trotz oder eben, wegen tiefer Staatsverschuldung .



Von 1983 bis 2000 legte der Dow Jones dann wieder zu, als die Staatsschulden bis zum Jahr 2000 erhöht wurden. Im Jahr 2000 als die Staatsschulden reduziert wurden, reduzierten sich auch die Aktienkurse. Im Jahr 2009 als die Staatsschulden, zum Segen für die Wirtschaft und die Börsen, wieder nach oben gefahren wurden, ging es parallel mit dem Anstieg der Staatschulden auch mit den Aktienkurse nach oben.


In den letzten 32 Jahren um zirka 1680%. Aus 10`000 USD wurden 178`000 USD.


Fazit: Hohe Staatsschulden sind gut für die Börse

 
Danke John, bevor ich mich demütig, schweigend von dannen mache, möchte ich dir nur noch sagen, dass ich am letzten Donnerstag 15 Classic Global für 561.10 CHF gekauft habe, mit Spesen und Courtage bezahlte ich rund 8455. - CHF. Somit stieg der Anteil vom Classic Global Funds auf 65 Stück in meinem Depot.

Das Geld für diese 15 Anteile habe ich zum Teil selbst zusammengespart, den weit aus grösseren Anteil hat mir meine Grossmutter gegeben.

 Super, grüss die Oma von mir und merke dir:

"Wenn`s um di Marie geht, derfst ka Zniachtl sein" (altes Wiener Sprichwort)

"Hää?!"